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(RATGEBER)Marktanalyse

Fachkräftemangel nach Bundesland: Wo die Lage am engsten ist

Engpasslage, Vakanzzeiten und die gefragtesten Gewerke in allen 16 Bundesländern — kompakt, mit der jeweils zuständigen Handwerkskammer.

Aktualisiert: August 2026Lesezeit: ca. 10 Minuten

„Fachkräftemangel“ klingt nach einem bundesweit gleichmäßigen Problem. Das ist es nicht. Wie schwer eine Stelle zu besetzen ist, hängt stark davon ab, wo der Betrieb sitzt — und in welchem Gewerk er sucht.

Warum der Mangel regional so unterschiedlich ist

Drei Faktoren treiben die Unterschiede auseinander. Erstens die Konkurrenz um dieselben Berufe: Wo Industrie sitzt, bewerben sich Elektriker und Mechatroniker eher in der Werkshalle als auf der Baustelle. Zweitens die Demografie: In Ostdeutschland fehlt eine ganze Fachkräftegeneration, die in den 1990er- und 2000er-Jahren abgewandert ist. Drittens die Lebenshaltungskosten: In München oder Hamburg entscheidet die Miete darüber, ob eine Fachkraft nach der Einarbeitung bleibt.

Für die Rekrutierung heißt das: Die Frage ist nicht nur, ob international eingestellt wird, sondern welches Gesamtangebot in der jeweiligen Region trägt — Gehalt, Unterkunft, Erreichbarkeit, Perspektive. Und welche Behörden und Kammern am Standort zuständig sind, denn deren Bearbeitungszeiten unterscheiden sich spürbar.

Datenbasis: Baugewerbe

Wichtig zur Einordnung: Alle Kennzahlen auf dieser Seite — Baugenehmigungen, Bauvolumen, Vakanzzeiten, Engpassbewertungen, offene Stellen — stammen aus dem Baugewerbe. Sie sind nicht branchenübergreifend zu lesen. Für Pflege sowie Transport und Logistik gilt eine eigene Datenlage, die wir hier nicht abbilden.

Bayern

~20.000 Baugenehmigungen 2024 — Platz 1 in DE·Engpassbewertung Hochbau 2,8 (Bund: 2,3)·Baukosten ~2.900 €/qm — höchste in DE·Arbeitslosenquote <4 %

Bayern ist der größte Baumarkt Deutschlands und zugleich das Land mit dem schärfsten Wettbewerb um Baufachkräfte. Bei praktischer Vollbeschäftigung konkurrieren Baubetriebe im Münchner Raum direkt mit Automobil-, Maschinenbau- und Elektronikindustrie um dieselben technischen Berufe. Außerhalb Münchens ist die Lebenshaltung günstiger, der Mangel aber ähnlich ausgeprägt.

Gefragteste Gewerke: Elektroinstallateure, SHK-Installateure, Maurer & Betonbauer, Zimmerer & Dachdecker
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer für München und Oberbayern

Nordrhein-Westfalen

~18 Mio. Einwohner — bevölkerungsreichstes Land·Platz 2 bei Baugenehmigungen nach Bayern·Diversifizierte Nachfrage: Wohnen, Infrastruktur, Industrie·Craftra-Firmensitz: Köln

NRW ist einer der wichtigsten Baumärkte Deutschlands, und die Nachfrage ist ungewöhnlich breit: Wohnungsbau in Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet, Transformation ehemaliger Industriestandorte, Brückensanierung und Netzausbau laufen parallel. Das erzeugt anhaltenden Bedarf über das ganze Spektrum der Bauberufe. Gegenüber Süddeutschland sind die Lebenshaltungskosten deutlich niedriger.

Gefragteste Gewerke: Straßen- & Tiefbauer, Elektroinstallateure, Maurer & Betonbauer, Trockenbauer & Stuckateure
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer zu Köln

Baden-Württemberg

Platz 3 bei Baugenehmigungen·Baukosten ~2.700 €/qm — drittteuerster Markt·Starker industrieller Mittelstand·Hohe Industriekonkurrenz um technische Berufe

Die industrielle Stärke des Landes hält die Auftragslage stabil — und verschärft zugleich den Wettbewerb um Personal. Ein Elektriker kann hier zwischen Baustelle, Automobilindustrie und Maschinenbau wählen, wo geregeltere Arbeitszeiten locken. Besonders schwierig ist die Lage in ländlichen Regionen wie Schwarzwald und Bodenseeraum, wo die Bautätigkeit hoch, der Bewerberzulauf aber gering ist.

Gefragteste Gewerke: Elektroinstallateure, SHK-Installateure, Zimmerer & Dachdecker, Maurer & Betonbauer
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Region Stuttgart

Niedersachsen

Baukosten ~2.100 €/qm — unter Bundesdurchschnitt·Windkraft-Land Nr. 1 in Deutschland·Automobil- und Zulieferindustrie treibt Baubedarf·Sehr niedrige Arbeitslosenquote im Emsland

Zwei Entwicklungen treiben die Baunachfrage: der Ausbau der Windenergie und der Wohnungsbau in Hannover, Braunschweig und Oldenburg. Fundamente, Kabeltrassen und Zuwegungen machen Niedersachsen zu einem der Länder mit der stärksten Tiefbau-Nachfrage — dem Bauberuf mit dem höchsten Engpasswert. Im westlichen Niedersachsen sitzt eine hohe Dichte mittelständischer Betriebe bei einer der niedrigsten Arbeitslosenquoten des Landes.

Gefragteste Gewerke: Straßen- & Tiefbauer, Elektroinstallateure, Maurer & Betonbauer, Zimmerer & Dachdecker
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Hannover

Hessen

Frankfurt als Finanzplatz treibt den Hochbau·Büro-, Banken- und Wohnungsbau parallel·Kontrast: hochpreisiges Rhein-Main, günstiges Nordhessen·Sitz der Zentralen Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA)

Hessen ist ein Land der Kontraste: das wirtschaftsstarke Rhein-Main-Gebiet im Süden, ländliche Regionen um Kassel, Fulda und Marburg im Norden — mit ähnlich ausgeprägtem Fachkräftemangel im Handwerk. Frankfurt erzeugt Baunachfrage auf mehreren Ebenen gleichzeitig: gewerblicher Hochbau, Wohnungsbau und große Infrastrukturvorhaben. Der Bedarf ist dauerhaft, das Angebot an Fachkräften nicht.

Gefragteste Gewerke: Elektroinstallateure, Trockenbauer & Stuckateure, Maurer & Betonbauer, SHK-Installateure
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main

Sachsen

Baukosten ~2.000 €/qm — unter Bundesdurchschnitt·Halbleiter-Ansiedlungen treiben den Gewerbebau·Starker demografischer Druck (Abwanderung der 1990er)·Günstige Lebenshaltung gegenüber Süddeutschland

Die Halbleiter-Ansiedlungen im Raum Dresden haben eine Welle von Gewerbebau-Investitionen ausgelöst: Fabriken, Reinräume, Logistik und die zugehörige Infrastruktur. Parallel wächst Leipzig mit steigendem Wohnungsbaubedarf. Gegenläufig wirkt die Demografie: Die Abwanderung junger Menschen in den 1990er- und 2000er-Jahren fehlt heute als Fachkräftejahrgang.

Gefragteste Gewerke: Elektroinstallateure, Straßen- & Tiefbauer, Maurer & Betonbauer, Trockenbauer & Stuckateure
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Dresden

Berlin

~3,8 Mio. Einwohner — größte Stadt Deutschlands·Wohnraummangel und Sanierungsstau·Baukosten 2.500–2.800 €/qm·Längere Bearbeitungszeiten der Behörden

Berlin ist eine Stadt im permanenten Baumodus: Wohnungsknappheit, Sanierungsstau und laufende Infrastrukturprojekte halten die Nachfrage hoch. Die multikulturelle Stadtgesellschaft erleichtert die Integration internationaler Fachkräfte spürbar. Einzuplanen ist dafür die Verwaltung: Baugenehmigungen und aufenthaltsrechtliche Verfahren dauern in Berlin länger als in vergleichbaren Ländern.

Gefragteste Gewerke: Trockenbauer & Stuckateure, Elektroinstallateure, Maurer & Betonbauer, Fliesenleger
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Berlin

Hamburg

~1,9 Mio. Einwohner·Baukosten ~2.700 €/qm — teuerster Markt nach Bayern·Wohnungsbau-Offensive: Ziel 10.000 Wohnungen pro Jahr·Hafeninfrastruktur und küstennaher Tiefbau

Hamburg ist ein kompakter, aber intensiver Baumarkt: die noch nicht abgeschlossene HafenCity, Wohnungsbau in den wachsenden Stadtteilen und die laufende Sanierung der Hafeninfrastruktur. Das Ziel von jährlich 10.000 genehmigten Wohnungen lässt sich nur mit einem konstanten Zustrom an Baufachkräften halten, den der lokale Arbeitsmarkt nicht allein liefert. Die hohen Lebenshaltungskosten machen Unterstützung bei der Unterkunft zum Thema.

Gefragteste Gewerke: Maurer & Betonbauer, Elektroinstallateure, SHK-Installateure, Trockenbauer & Stuckateure
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Hamburg

Rheinland-Pfalz

14.000+ offene Stellen im Baugewerbe·265 Tage durchschnittliche Vakanzzeit·12,1 Mrd. € Bauvolumen 2025·12.300 Bauunternehmen

Rheinland-Pfalz verbindet ländlichen Wohnungsbau mit industrieller Bautätigkeit entlang des Rheins. Der Wiederaufbau nach den Flutschäden im Ahrtal und ein allgemeiner Sanierungsstau treiben die Nachfrage nach Baufachkräften zusätzlich.

Gefragteste Gewerke: Maurer & Betonbauer, Zimmerer & Dachdecker, SHK-Installateure, Maler & Lackierer
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Koblenz

Schleswig-Holstein

11.000+ offene Stellen im Baugewerbe·262 Tage durchschnittliche Vakanzzeit·9,4 Mrd. € Bauvolumen 2025·8.600 Bauunternehmen

Küstenbau, Wohnungsbau und Windkraft-Infrastruktur bestimmen den Markt. Die Nähe zu Hamburg erzeugt zusätzliche Nachfrage durch Bauprojekte im Hamburger Umland — und zieht zugleich Fachkräfte in die Metropolregion ab.

Gefragteste Gewerke: Zimmerer & Dachdecker, Maurer & Betonbauer, Elektroinstallateure, Straßen- & Tiefbauer
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Lübeck

Brandenburg

12.000+ offene Stellen im Baugewerbe·269 Tage durchschnittliche Vakanzzeit·10,2 Mrd. € Bauvolumen 2025·8.900 Bauunternehmen

Brandenburg profitiert vom Berliner Spillover: Wohnungsbau im Umland, Industrieansiedlungen und Infrastrukturprojekte treiben den Bedarf. Gleichzeitig ist der demografische Wandel hier besonders spürbar, weshalb der lokale Arbeitsmarkt die Lücke nicht schließen kann.

Gefragteste Gewerke: Maurer & Betonbauer, Elektroinstallateure, Straßen- & Tiefbauer, Trockenbauer & Stuckateure
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Potsdam

Sachsen-Anhalt

9.000+ offene Stellen im Baugewerbe·266 Tage durchschnittliche Vakanzzeit·7,8 Mrd. € Bauvolumen 2025·7.100 Bauunternehmen

Industrie-Neuansiedlungen im Raum Magdeburg und Infrastrukturprojekte halten die Bautätigkeit hoch. Der demografische Wandel trifft das Land besonders hart — internationale Fachkräfte sind hier weniger Option als Voraussetzung, um Aufträge annehmen zu können.

Gefragteste Gewerke: Maurer & Betonbauer, Straßen- & Tiefbauer, Elektroinstallateure, Gerüstbauer
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Magdeburg

Thüringen

8.000+ offene Stellen im Baugewerbe·264 Tage durchschnittliche Vakanzzeit·7,1 Mrd. € Bauvolumen 2025·6.800 Bauunternehmen

Die zentrale Lage macht Thüringen zu einem Knotenpunkt für Verkehrs- und Energieinfrastruktur; der Ausbau erneuerbarer Energien bindet zusätzlich Kapazitäten. Der demografische Wandel verschärft die Lage in den kleineren Betrieben außerhalb von Erfurt und Jena.

Gefragteste Gewerke: Maurer & Betonbauer, Zimmerer & Dachdecker, Elektroinstallateure, Maler & Lackierer
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Erfurt

Mecklenburg-Vorpommern

6.000+ offene Stellen im Baugewerbe·258 Tage durchschnittliche Vakanzzeit·5,2 Mrd. € Bauvolumen 2025·4.800 Bauunternehmen

Tourismus-Infrastruktur, Wohnungsbau und Windkraft-Projekte bestimmen die Nachfrage. Der demografische Wandel ist hier so stark ausgeprägt wie in keinem anderen Flächenland, weshalb selbst kleinere Betriebe kaum noch auf regionale Bewerber zählen können.

Gefragteste Gewerke: Maurer & Betonbauer, Zimmerer & Dachdecker, Maler & Lackierer, Straßen- & Tiefbauer
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Schwerin

Saarland

4.000+ offene Stellen im Baugewerbe·259 Tage durchschnittliche Vakanzzeit·3,6 Mrd. € Bauvolumen 2025·3.200 Bauunternehmen

Das Saarland durchläuft den Strukturwandel von der Schwerindustrie zu modernen Gewerbe- und Wohngebieten, was Umbau- und Erschließungsprojekte nach sich zieht. Die Grenzlage zu Frankreich und Luxemburg verschärft den Wettbewerb: Fachkräfte pendeln bei besserer Bezahlung ins Ausland.

Gefragteste Gewerke: Maurer & Betonbauer, Elektroinstallateure, SHK-Installateure, Maler & Lackierer
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer des Saarlandes

Bremen

4.500+ offene Stellen im Baugewerbe·261 Tage durchschnittliche Vakanzzeit·3,4 Mrd. € Bauvolumen 2025·2.100 Bauunternehmen

Bremen und Bremerhaven verbinden Hafeninfrastruktur, Wohnungsbau und Gewerbebau auf engem Raum. Als Stadtstaat mit begrenztem Einzugsgebiet ist der Fachkräftemangel besonders spürbar — schon wenige unbesetzte Stellen verschieben ganze Bauabläufe.

Gefragteste Gewerke: Maurer & Betonbauer, Elektroinstallateure, Straßen- & Tiefbauer, SHK-Installateure
Zuständige Handwerkskammer: Handwerkskammer Bremen

Bundesweit vermitteln — unabhängig vom Standort

Craftra vermittelt in allen 16 Bundesländern. Der Ablauf ist überall derselbe; was sich unterscheidet, sind die zuständige Kammer, die Ausländerbehörde und das Gesamtangebot, mit dem ein Betrieb vor Ort überzeugt. Welche Branche für Sie relevant ist, entscheidet den Rest: Bau & Handwerk, Pflegefachkräfte oder Transport & Logistik.

Wie das Verfahren abläuft und wie lange es dauert, steht in So funktioniert's; die rechtlichen Wege und unsere Selbstverpflichtung finden Sie unter Recht, Qualität & Absicherung.